Wearables: Ein Trend mit Zukunft?

Bild Smartwatch am Handgelenk

Smartphones und Tablets finden sich heute in jedem Haushalt. Der Markt ist gesättigt, die Nachfrage nimmt zumindest hierzulande langsam ab. Technik-Begeisterte haben indes einen Trend entdeckt, der laut einiger Marktbeobachter einen neuen Boom auslösen könnte. Sogenannte Wearables sollen unser Leben durch Vernetzung einfacher und sicherer machen.

„Wearables“: Intelligente Kleidung

Die Übersetzung von „Wearable“ gibt noch keine direkte Auskunft zu einer neuen Gerätekategorie: Im Deutschen bedeutet wearabletragbar“ in Hinblick auf Kleidung. Konkret sind damit „intelligente“ Gegenstände wie Schuhe oder Brillen gemeint, die durch die Mikrochips Daten verarbeiten und miteinander kommunizieren können. Der echte Durchbruch auf dem Markt hat allerdings noch nicht stattgefunden: Zwar haben selbst Hersteller wie Apple schon eine Smartwatch in den Handel gebracht und auch sogenannte Fitness-Tracker erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, der Massenmarkt hat die neue Gerätekategorie allerdings bisher weitgehend ignoriert.

Trend zur Selbstoptimierung

Einige Kunden zweifeln bisher am Zusatznutzen: Die vergleichsweise günstigen Armbänder können dabei Daten wie die Anzahl der gelaufenen Schritte oder den Herzschlag aufzeichnen. Außerdem sind diese Wearables in der Lage festzustellen wann wir schlafen – und wie tief. Auf diese Weise können die Nutzer beispielsweise genau dann geweckt werden, wenn sie sich nicht in einer Tiefschlafphase befinden. Dadurch soll das Aufwachen einfacher und angenehmer werden. Überhaupt ist das Wecken mit einem solchen Fitness-Tracker einfach über Vibration im Handgelenk möglich, wodurch andere Personen nicht gestört werden. Die gesammelten Informationen werden per Bluetooth-Verbindung an das Smartphone weitergeleitet und dort in einer App verarbeitet. Damit kommen die Armbänder dem Trend zur Selbstoptimierung entgegen. Die Anhänger dieser Bewegung vertreten eine einfache aber durchaus logische Sichtweise: Um den Tagesablauf optimieren zu können, müssen zunächst Daten erfasst werden.

Künftig Schutz vor Herzinfarkt?

Bild Smartwatch

Wearbles könnten wichtige Daten zur Krankheitsvorbeugung liefern.

Aus medizinischer Sicht könnte die Datenerfassung sinnvoll sein: Unternehmen wie OMSignal forschen an der Integration von Sensoren in Kleidung. Dadurch könnten Shorts oder T-Shirts bald in der Lage sein, Atmung, Muskelanspannung und Puls direkt zu erfassen. Was Leistungssportlern eine präzisere Auswertung ermöglicht, könnte auch Risikogruppen für Herz-Kreislauf-Krankheiten nützen: Die einfache Überwachung würde eine frühere Warnung vor einem Herzinfarkt erlauben und könnte so Menschenleben retten.

 

Smartwatches haben Erwartungen nicht erfüllt

Zu einer gewissen Verbreitung haben es auch sogenannte Smartwatches gebracht. In der Hoffnung auf ein einträgliches Geschäft haben mittlerweile alle großen Smartphone-Hersteller eine entsprechende intelligente Armbanduhr vorgestellt. Der Erfolg mag sich indes nicht so recht einstellen: Während Samsung den Markt stillschweigend wieder verlässt, veröffentlicht Apple zu seinen Watch-Verkäufen nicht einmal Zahlen. Aus Insiderkreisen gelang allerdings die Information an die Öffentlichkeit, dass die Absatzzahlen eher enttäuschen.

Viele potenzielle Kunden haben sich durch das Smartphone erst daran gewöhnt, auf eine Armbanduhr verzichten zu können. Die mit einigen Hundert Euro nicht gerade günstigen Geräte müssen aber nicht nur getragen, sondern wie das Smartphone täglich oder nach spätestens zwei bis drei Tagen geladen werden. Zudem ist der Zusatznutzen fraglich: Auf dem Display lassen sich Nachrichten lesen und einfache Apps verwenden. Dabei handelt es sich aber nur um einen zweiten Bildschirm des Smartphones. Der Vorteil besteht darin, dass nicht mehr ständig das Smartphone aus der Tasche geholt werden muss, wenn der Besitzer einmal schauen möchte, ob er eine Nachricht erhalten hat. Verlangt eine Benachrichtigung des Nutzers die Aufmerksamkeit, muss das Smartphone in der Regel allerdings doch wieder herausgekramt werden: Aufgrund des kleinen Displays ist es beispielsweise nicht möglich, Antworten direkt auf der Smartwatch zu verfassen. Apple möchte diese Problematik lösen, indem die Nachricht automatisch ausgewertet wird und vorgefertigte Antworten vorgeschlagen werden. Für komplexere Sachverhalte muss aber auch hier wieder das iPhone verwendet werden.

Spionieren mit der Datenbrille?

Bild Fitness Tracker

Das Thema Datensicherheit ist natürlich auch hier ein großes Thema.

Ein weiteres bekanntes Projekt hörte auf den Namen Google Glass: Die Datenbrille des Suchmaschinen-Riesens sorgte bei der Markteinführung für eine gewisse Gegenbewegung. Weil die Brille auch unbemerkt Fotos und Videos von ihrer Umgebung aufnehmen kann, betrachteten viele Menschen das neue Gadget mit Argwohn. In den USA wurde das Tragen in vielen öffentlichen Gebäuden und Geschäften deshalb verboten. Die Hysterie stellte sich als unbegründet heraus, denn kaum jemand mochte sich die Datenbrille tatsächlich kaufen. Zu gering erscheint hier der Nutzen; zu unangenehm ist es, auch ohne Sehschwäche eine Brille tragen zu müssen.

Problematische Privatsphäre

Das Thema Datensicherheit und Privatsphäre wird von vielen Datenschützern zudem kritisch gesehen: Denn die Erfassung vieler Daten macht es möglich, das Verhalten von Menschen genau auszuwerten. Ein Fitness Tracker, der die Daten des Joggers erfasst, registriert auch, dass sich der Läufer nicht zu Hause befindet. Kommen Einbrecher an diese Informationen, können sie unbemerkt zur richtigen Zeit aktiv werden. Auch Unternehmen wie Google oder Facebook wird hinsichtlich der Sammelwut von Kundendaten wenig Vertrauen geschenkt. Einige Verbraucherschützer befürchten zudem eine Totalüberwachung, die durch das Tracking zweifelsohne technisch möglich wird. Wer sich viel bewegt und dies per Fitness Tracker nachweisen kann, dürfte vielleicht Ermäßigungen bei der Krankenversicherung bekommen. Umgekehrt könnten für denjenigen, der sich dem verweigert Zusatzgebühren fällig werden. Ob der „Gläserne Mensch“ durch Wearables Realität wird, muss sich noch zeigen. Wohin die Entwicklung der Wearables geht, bleibt aber allemal spannend.

 

Bildquellen:

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