Google Project Ara

Google Ara – die Smartphone-Revolution des Suchmaschinengiganten

googleGoogle, primär für seine namensgebende Suchmaschine und das hauseigene Betriebssystem Android bekannt, startet im Bereich der Smartphones mit dem Google Ara Projekt eine weitere Revolution. Mit dem Smartphone-Kit könnten Verbrauchern bald völlig neue Möglichkeiten offenstehen, während zugleich die zentrale Bindung an einen Hersteller und seine angebotenen Modelle entfällt. Während das Projekt zwar noch in den Kinderschuhen steckt, sind die fortgeschrittenen Entwicklungen vor allem in den letzten 12 Monaten durchaus beachtlich.

 

Was genau macht Googles „Ara“ Projekt?

Google Ara ist gewissermaßen ein Baukasten für Smartphones, bei dem sich Verbraucher einzelne Module ihres künftigen Smartphones individuell aussuchen und zusammenstecken können, ohne länger auf ein vorgefertigtes und unveränderbares Modell eines Herstellers angewiesen zu sein. Gerade da Smartphones bisher ausgesprochen unflexibel waren, einige Modelle zudem nicht einmal den eigenständigen Austausch von Einzelteilen ermöglichen, gilt „Ara“ als ein völlig neuer Ansatz für die Smartphone-Branche. Das Fundament liefern sogenannte „Endoskelette“, die anfänglich bei Ara in drei verschiedenen Größen angeboten werden. In diese Skelette können Verbraucher dann eigenständig Komponenten einbauen, ohne dafür ein ausgeprägtes technisches oder fachliches Know-How besitzen zu müssen. Stattdessen werden alle Module und Komponenten ganz einfach, wie eben in einem Baukasten, ineinander gesteckt und sind sofort danach einsatzbereit.

Mit diesem Projekt lassen sich die einzelnen Komponenten eines Smartphones individuell zusammenstellen

Mit diesem Projekt lassen sich die einzelnen Komponenten eines Smartphones individuell zusammenstellen

Die angebotenen Module und Komponenten sind jeweils auf die Größe des Endoskelettes angepasst. Dieses ist nach aktuellen Erkenntnissen entweder mit einer Größe von 4 Zoll (klein), 4,5 Zoll (mittel) oder in der großen Variante von insgesamt 5 Zoll verfügbar. Einsetzbare Komponenten sind beispielsweise der Akku, das Display oder das System on Chip (SoC, der Prozessor). Auch Module wie die Kamera oder der Lautsprecher lassen sich individuell auswählen und entsprechend der eigenen Wünsche und Bedürfnisse in das Fundament des Gerätes einstecken. Das ist natürlich nicht zwingend dauerhaft. Bei technischen Neuerscheinungen kann ein Gerät so auch punktuell aufgerüstet werden, falls die Auflösung des Displays mittlerweile überholt ist oder der Akku nicht mehr optimale Leistung liefert. Gleiches gilt natürlich für beschädigte Komponenten. Statt teuer ein einzelnes, unter Umständen zu Teilen veraltetes Gerät zu reparieren, kann die kaputte Komponente einfach durch ein neueres Model ersetzt werden, ohne dass das Smartphone dadurch seine Kompatibilität oder Funktionalität einbüßen würde.

Das Endoskelett selber besitzt übrigens nur rudimentäre Komponenten, um tatsächlich die individuelle Zusammenstellung zu fördern. So sind lediglich ein sehr schwacher Prozessor und ein kleiner Akku verbaut. Diese lassen sich nicht austauschen, liefern aber lediglich die Grundlage für eine rudimentäre Funktionalität. Stattdessen soll der Nutzer von Google Ara inspiriert werden, diese Basic-Hardware sinnvoll entsprechend seiner Bedürfnisse zu erweitern.

Entwicklern sollen keine Grenzen gesetzt werden

Ein wichtiger Faktor, der den langfristigen Erfolg von Google Ara garantieren soll, ist die absolute Entwicklerfreiheit. Als Anregungen hierzu wurde verkündet, dass durchaus auch eine Integration von bisher für Smartphones eher unüblichen Komponenten möglich ist. So könnte das eigens zusammengebaute Smartphone beispielsweise mit einem Blutdruckmesser erweitert werden, sich mit einer Nachtsichtkamera oder einer Wärmebild-Integration ausstatten lassen. Auf diese Weise sollen Entwickler angeregt werden, den Markt der Smartphone weiter zu innovieren und sich zugleich eine ausgeprägte Käuferschicht sichern – indem diese Komponenten in alle Endoskelette des Baukastensystems eingebaut werden können. Eine klassische Herstellerbindung ist dann zwar immer noch bemerkbar, dennoch werden die Optionen für Entwickler grundlegend erweitert. Denkbar ist dadurch außerdem auch die Fokussierung des Smartphones auf den professionellen beziehungsweise gewerblichen Bereich, indem spezielle Anforderungen an das Gerät gestellt werden, die sich von denen der klassischen Privatverbraucher unterscheiden.

Vorteile und etwaige Nachteile der Ara-Vision

Sowohl für Entwickler als auch Verbraucher ergeben sich zahlreiche nennenswerte Vorteile. Die Hardware soll künftiger eine optimierte Version von bisher oftmals eher notdürftig integrierter Software darstellen. Vorteilhaft ist hier besonders, dass durch die Modul-Konstruktion keine bestimmte finanzielle Ober- oder Mindestgrenze gesetzt wird. Jeder Konsument kann sich sein Gerät folglich entsprechend des eigenen Budgets zusammenbauen. Das soll einerseits leistungsstarke, preiswerte und individuell ausgerichtete Smartphones ermöglichen, aber auch absolute Profi- und High End-Geräte, die über die bisherigen Leistungsgrenzen der Smartphones hinausgehen.

Vorteil (und Nachteil für einige Entwickler zugleich) ist der zu erwartende Konkurrenzkampf. Durch die Freiheiten der Entwickler wird es für diese noch notwendiger sich tatsächlich von Konkurrenten abzuheben – durch Qualität und finanzierbare Preise. Dieser Umstand wird zwangsweise dafür sorgen, dass bisherige Entwickler ins Hintertreffen geraten oder sich neu orientieren müssen. Konsumenten hingegen können durch den stärkeren Konkurrenzkampf mit wettbewerbsfähigen Preisen und regelmäßigen Innovationen rechnen. Dieses Konzept geht aber natürlich nur dann auf, wenn das Google Ara Endoskelett auch eine entsprechende Käuferschicht erreicht – schließlich lohnt sich die Entwicklung von speziellen Komponenten nur dann, wenn auch tatsächlich ein ausreichend großes Volumen potentieller Käufer existiert.

Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender, Vorteil bezieht sich auf die Umwelt – mit diesem Hintergedanken wurde das Baukastensystem von Namensgeber Ara Knaian im Übrigen auch entwickelt. Durch die austauschbaren Komponenten, bei denen nicht mehr sofort das komplette Smartphone ersetzt werden muss, sollen sich der anfallende Elektroschrott und damit auch die Belastung für die Umwelt erheblich verringern.

Das Projekt will Nutzer an das Android-System binden; ein Nachteil für alle iOS-Fans

Das Projekt will Nutzer an das Android-System binden; ein Nachteil für alle iOS-Fans

Ein Nachteil, dessen Gewichtung je nach Verbraucher unterschiedlich ausfallen dürfte, ist die Bindung an das Android-OS. Alle Geräte werden, aufgrund der Zugehörigkeit zu Google, zwangsweise ausschließlich mit Android betrieben werden. Wer sein Smartphone also lieber mit dem iOS oder Windows sieht, wird bei Google Ara dazu keine Gelegenheit bekommen. Google selber geht es nach eigenen Aussagen weniger um den Gewinn durch den Verkauf der Hardware, was auch der Startpreis des Endoskelettes von gerade einmal rund 50 Dollar belegen dürfte. Viel mehr versucht das Unternehmen eine noch größere Nutzerschicht an das Android-Betriebssystem zu binden – und das durch die update-bare Baukastenvariante natürlich auch langfristig.

Zu erwartende Veröffentlichung

Google Ara wird aktuell immer noch als ein „Entwicklungsprojekt“ nicht aber direkt als ein „Google-Produkt“ kategorisiert. Demnach ist ein tatsächlicher Veröffentlichungstermin für die breite Masse aktuell nicht vorhanden. Aussagen der aktuellsten Entwicklerkonferenz nach wird noch im Jahr 2015 ein Pilot-Projekt auf Puerto Rico mit limitierter Verfügbarkeit gestartet. Puerto Rico wurde deshalb ausgewählt, da es auf dem Eiland eine sehr vielfältige und facettenreiche Schicht von sehr günstigen bis hin zu sehr preisintensiven Smartphones gibt. Dadurch erhoffen sich die Projektentwickler von Google Ara neue Erkenntnisse über die Käuferschicht zu gewinnen, aber natürlich auch das Gerät erstmals in der tatsächlichen Praxis zu testen.

 

Bildquellen:

Bild 1: © fill / pixabay.com
Bild 2: © relaxahotels / pixabay.com
Bild 3: © Sashkin / fotolia.com

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