Weiterbildung – wer zahlt?

Rechtsgrundlage für das Angestelltenverhältnis ist der Vertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Beide brauchen einander. Der Arbeitgeber kann ohne seinen Angestellten die anfallende Arbeit nicht erledigen, und der Arbeitnehmer benötigt als Gegenleistung für seine Arbeitskraft das Gehalt, um damit die Ausgaben für seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Wenn an eine Weiterbildung des Angestellten gedacht wird, sind zwei Voraussetzungen bereits erfüllt: Er befindet er sich in einer so genannten festen Anstellung, ist also ein vertraglicher und sozialversicherungspflichtiger Mitarbeiter; und er hat die Ausbildung, also den Lernprozess erfolgreich absolviert.

Nach der Ausbildung kommt die Weiterbildung

Eine Weiterbildung ist die nächste Stufe. Das, was in der Ausbildung gelernt wurde, muss durch eine oder mehrere Weiterbildungen vertieft und aktualisiert werden. Der Angestellte lernt buchstäblich nie aus. Er muss mit seinem Wissen und Können immer auf der Höhe des aktuellen Geschehens sein. Dieser Input wird von ihm erwartet, und den kann der Arbeitgeber auch erwarten. Auf der anderen Seite profitiert der Arbeitgeber von der Qualität und Leistungsfähigkeit seiner Mitarbeiter. Sie sind qualifiziert, machen weniger Fehler, können verantwortungsvollere Tätigkeiten wahrnehmen. Bis hin, dass auf dieser Grundlage der Arbeitgeber höherwertige Aufträge annehmen und erledigen kann, mit entsprechend größerem Umsatz und Gewinn für ihn.

Da an einer Weiterbildung immer beide Seiten interessiert sind, sollte die finanzielle Belastung angemessen verteilt sein. Unangemessen wäre es nach der Ansicht vieler, wenn die eine Seite alles, die andere nichts zahlt. Ein motivierter und interessierter Angestellter wird immer bereit sein, Zeit und auch Geld zu investieren, wenn er in der heutigen Zeit dadurch seinen Arbeitsplatz festigen, und sein Gehalt mittelfristig steigern kann. An einem solchen Arbeitnehmer ist der Arbeitgeber seinerseits interessiert; er weiß buchstäblich, was er an ihm hat.  Wenn der Arbeitgeber die Weiterbildung vollständig bezahlt, so kann der dies damit verbunden, dass sich der Arbeitnehmer vertraglich länger an den Arbeitgeber binden muss. Dies ist bis zu einem gewissen Grad rechtswirksam. Welche Länge angemessen ist, hängt wesentlich von den Kosten der Ausbildung ab – bei sehr teuren Ausbildungen kann mitunter noch eine mehrjährige Bindung ans Unternehmen rechtens sein.

Externe Finanzierung bei einer Weiterbildung

Je nachdem, um welche Art und Form der Weiterbildung es sich handelt, sollte zunächst geprüft werden, ob es externe Finanzierungsmöglichkeiten gibt, ohne dass Arbeitgeber oder Angestellter zahlen müssen. Eine weitere Möglichkeit ist es zu definieren, was ein Bezahlen bedeutet. Wenn der Arbeitgeber dem Angestellten während der vertraglichen Arbeitszeit bei unveränderter Lohnfortzahlung eine Weiterbildung gestattet, zahlt er indirekt, weil die vorgesehene Arbeitsleistung nicht erbracht wird. Als Ausgleich dazu wäre es durchaus zumutbar, dass der Angestellte seinerseits die extern anfallende Weiterbildungskosten bezahlt.

Es geht immer um ein ausgewogenes bis wohlwollendes Miteinander. Beide Seiten müssen das Gefühl haben – , fair behandelt zu werden. Wenn der Arbeitgeber in Aussicht stellt, dass mit erfolgreicher Weiterbildung eine Arbeitsplatzsicherung verbunden ist, wird der Angestellte viel, sehr viel dafür tun. Umgekehrt muss die Weiterbildung für den Arbeitgeber einen messbaren Mehrwert für die zukünftige Arbeitsleistung seines Mitarbeiters bringen. Wenn dadurch neue, zusätzliche Aufträge realisierbar sind, ist die Zahlung der Weiterbildung eine rentable Zukunftsinvestition für den Arbeitgeber.

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4 Responses to Weiterbildung – wer zahlt?

  1. Anja sagt:

    Also bei meiner Schwester und ihrem alten Arbeitgeber war das damals ganz kurios. Erst sollte sie unbedingt eine Weiterbildung machen, die sollte voll übernommen werden. Nach der Weiterbildung wurde ihr dann gesgt, nun müsse sie sich für mindestens 4 Jahre verpflichten, denn sie habe ja die Weiterbildung bekommen. Und als sie das nicht unterschreiben wollte, sollte sie alles selbst zahlen. Manche wissen halt nicht, was sie wollen.

  2. Michae sagt:

    Das habe ich auch schon gehört. Manche Betriebe zwingen ihre Mitarbeiter, um sie danach langfristig binden zu können. Aber warum kann man soetwas nicht im Gespräch klären? Der Mitarbeiter will doch auch wissen, woran er ist. Schließlich geht es um seinen Job und er ist sicher willens zu bleiben, wenn die Voraussetzungen stimmen

  3. Andrea sagt:

    @Anja also im Falle deiner Schwester würde ich mir das nicht gefallen lassen und mich einmal beim Arbeitsgericht informieren, ob so eine Vorgangsweise überhaupt rechtens ist. Bei meinem Unternehmen mussten wir Mitarbeiter sogar unterzeichnen, dass wir einmal pro Jahr an einer Weiterbildung teilnehmen, die aber inklusive Fahrtkosten vom Unternehmen übernommen wird.

  4. Jörn sagt:

    Zwei Tipps: Es gibt als bundesweite Finanzierung die Bildungsprämie, die übernimmt 50 Prozent der Kosten von Fortbildungen und in NRW den Bildungsscheck, der ebenfalls 50 Prozent übernimmt. Die Kriterien bei beiden Töpfen sind recht locker.

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