Slumdog Millionär

Am 19. März kam in Deutschland der mit acht Oscars augezeichnete Film Slumdog Millionär (Slumdog Millionaire) in die Kinos. In der Schweiz erfolgte der Filmstart übrigens schon am 21. Januar – ungerecht, aber egal.
Im Film geht es um Jamal Malik, der in der indischen Ausgabe der Sendung „Wer wird Millionär“ sitzt und kurz davor ist, 20 Millionen indische Rupien zu gewinnen. Parallel zur Handlung in der Spielshow sieht man Jamal Malik, wie er von der Polizei gefoltert und verhört wird, da sie sich sicher sind, dass er nur durch Betrug in der Sendung diesen Erfolg haben kann. Ebenso sieht man zu jeder Frage, die in der Sendung gestellt wird, einen kurzen Rückblick auf Jamals schlimme Kindheit und Jugend. Ich möchte nun nicht weiter auf den Inhalt des Filmes eingehen, da es hierzu genügend Quellen im Internet gibt.

Der Film Slumdog Millionär hat mir gut gefallen, keine Frage, er war spannend, gut durchdacht und trotz 120 Minuten Laufzeit nicht langweilig. Was mir an diesem Film nur gefehlt hat, war eine Message, ein Denkanstoß an die Zuschauer.
Immerhin wurden im Film immer wieder das Leben der Straßenkinder Indiens gezeigt, immer wieder hat man gesehen, wie sie auf, sich alleingestellt, ums Überleben kämpften. Man hat gesehen, wie sie gequält wurden, ihnen die Augen verätzt wurden und sie misshandelt wurden. Diese Szenen machten sicherlich 50% der Filmes aus.
Dann aber sieht man, Jamal und seinen Bruder Salim, wie sie als junge Männer auf einer Wolkenkratzerbaustelle stehen und über die Stadt schauen. Salim gibt daraufhin einen Kommentar ab, den ich sehr unpassend finde:

„Sieh nur, Kamal, dort unten waren früher unsere Hütten, unsere Slums, dort haben wir in Armut gelebt. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Slums sind weg, hohe Wolkenkratzer wurden gebaut. Mumbai ist eine aufstrebende Stadt, die Welt interessiert sich für Mumbai. Uns geht es gut.“ (Gedächtniszitat)

Hallo? Mit dieser Aussage ist die komplette Message des Filmes – falls es eine gab – zerstört. Damit wird gesagt, dass es früher den Kindern und Menschen in der Großstadt schlecht ging, heute aber alles wieder gut ist. Ist dem so? Nein! Einen unpassendere Szene hätte man sich wohl nicht ausdenken können.

Auch stellt sich mir die Frage nach Gut und Böse. Wer war denn in dem Film der Gute? Die Hauptperson Jamal, der hunderte Taschen und Geldbeutel von Touristen gestohlen hat, monatelang Touristen betrogen hat, Lebensmittel gestohlen hat, gestohlene Waren verkauft hat? Ist er der Gute? Ist sein Bruder der Böse, weil er genau das Gleiche macht bzw. gemacht hat? Im Film wird versucht Jamal als einen Guten und seinen Bruder Salim als den Bösen darzustellen – in meinen Augen sehr unpassend.

Der Film hat schon über 310 Millionen Dollar eingespielt. Wieviel erhalten davon die indischen Straßenkinder, deren Leben im Film gezeigt wurden?

Trotzdem hat mir der Film gut gefallen und ich werde ihn auch weiterempfehlen.

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2 Responses to Slumdog Millionär

  1. Tangier sagt:

    Slumdog Millionär wollte ich mir auch auf jeden Fall anschauen. Ich bin echt gespannt, vor allem jetzt… nach Deiner Meinung.

    Gruß
    Tangier

  2. Tom sagt:

    Der Film ist auf jeden Fall sehr gut und hat seine Oscars auch verdient! Ich bin auf deine Meinung zum Film gespannt. 🙂

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