movie2k.to ist tot – es lebe movie4k.to? – Ein Kommentar (Update)

Tausende von Internetnutzern schauten vor gut zwei Wochen in die Röhre. Deutschlands beliebteste Streamingseite war von jetzt auf gleich vom Netz genommen. Keine Vorankündigung, aber auch kein Warnhinweis, wie es vor fast genau zwei Jahren bei Kino.to noch der Fall war (siehe Bild). In der Tat scheint hinter den Kulissen der Krieg zwischen GVU, Kripo und den findigen (windigen) Betreibern dieser Streamingseiten  weiterzugehen. 

Die Vorgeschichte

Wie in der Einleitung bereits kurz angesprochen, begann die offene Konfrontation vor ca. zwei Jahren mit der Schließung der bis dahin größten Streamingseite kino.to. Ermittler aus  Deutschland, Spanien, Frankreich und den Niederlanden organisierten in enger Zusammenarbeit internationale Razzien. Sichtbares Ergebnis für die Nutzer war folgendes:

In den darauffolgenden Monaten folgte kollektive Panik unter den Usern, ob die Kripo nun die gespeicherten Nutzerdaten von kino.to dazu verwenden würde, auch gegen Hundertausende von Schwarzsehern vorzugehen. Dies erwies sich im Nachhinein als unbegründet, der Gewinner der ganzen Aktion war dennoch sicherlich die Piratenpartei, welche sprichwörtlich Rückenwind bekam und den Sprung in diverse Landtage schaffte. Angst um den Datenschutz sei Dank.

Im Januar 2012 folgte dann der nächste große Schlag: Der größte Sharehoster Megaupload wurde durch das FBI abgeschaltet. Was folgte, war ein vom Betreiber „Kim Dotcom“ (selbstgewählter Künstlername) inszeniertes Schauspiel, in welchem er sich selbst gekonnt als Opfer darstellte und bemühte, die Netzgemeinde zu mobilisieren. Der Prozess ist zu diesem Zeitpunkt noch im Gange, Kim Dotcom konnte sich durch eine Kaution in Millionenhöhe aus der Untersuchungshaft freikaufen. Im Januar 2013 stellte er den Nachfolger von Megaupload, „Mega„, online, der Datenschutz für die Nutzer wurde verbessert , von Reue keine Spur.

movie2k.to

Schuldbewusstsein scheint generell keine typische Eigenschaft solcher Betreiber zu sein. Wenige Wochen nach der Schließung von kino.to folgten diverse Nachfolger, darunter kinox.to und auch movie2k.to, welche einen großen Teil der kino.to Nutzer für sich gewinnen konnten. Die Freiheit im Netz wird propagiert, die Filmstudios und Behörden werden nicht zuletzt verbal provoziert und es wird weitergemacht wie bisher. Es ist jedoch festzustellen, dass all diese Seiten nicht von gemeinnützigen Unternehmen und/oder privaten Nutzern betrieben werden. Wer sich auf diesen Seiten umschaut, wird von Werbeanzeigen, Popups zweifelhafter (erotischer) Herkunft nahezu erschlagen – dahinter steckt bares Geld und ein knallhartes Geschäftsmodell. Doch nicht nur das, auch Schadsoftware aller Art wird unbemerkt verteilt, Daten von Nutzern werden gesammelt und verkauft. Es handelt sich also nicht um „moderne Robin Hoods“, welche für die Freiheit im Netz kämpfen und das Geld an die Bedürftigen verteilen.

Vor einigen Wochen folgte dann also das Aus für movie2k.to, die Hintergründe sind weiter unbekannt. Mittlerweile leitet die Domain offensichtlich automatisch auf eine Seite der Piratenpartei um. Ein Nachfolgeportal ist natürlich längst gelauncht, kreativerweise movie4k.to genannt – Dort ist neben den alten Inhalten von movie2k.to auch ein an die Obrigkeit gerichtete obszöne Geste zu sehen. 

Fazit

Auffallend bei dieser Thematik ist, dass bei der Diskussion zum Thema Strafverfolgung und Strafmaß  gerne  auch undifferenzierte Vergleiche zu Vergewaltigern und Kinderschändern herbeigezogen werden. Ein großer Teil der Bevölkerung stimmt natürlich heftig nickend zu. Nicht selten werden solche Vergleiche auch von den Hintermännern manipulativ selbst gezogen. Ohne den Strafbestand, bzw. das Strafmaß bei Vergewaltigern und Kinderschändern bewerten zu wollen, so handelt es sich bei Diebstahl geistigen Eigentums immer noch um Diebstahl. Diese Art, Tatbestände zu vergleichen, entwickelt der Mensch bereits im Vorschulalter und wir im späteren Verlauf immer weiter perfektioniert. Moralisches Fehlverhalten kann und sollte nicht durch durch das deutlich schlimmere Fehlverhalten anderer gerechtfertigt werden.

Nichtsdestotrotz ist ein Umdenken der Filmindustrie längst überfällig, und Maßnahmen gegen diverse kleine Nutzer wirken überzogen. Dass große Teile der Bevölkerung mittlerweile relativ regelmäßig auf solch illegale Seiten zugreift und in Kauf nimmt, Filme in teilweise unterirdischer Qualität anzuschauen (anstatt  ins Kino zu gehen), sollte den Verantwortlichen zu Denken geben. Neue Anreize, unter Umständen auch neue Finanzierungs- und Distributionswege müssen erschlossen werden, um den Bürger wieder auf die Helle Seite der Macht zu ziehen.

Bis dahin sollte man Filme, welche man aus Interesse sehen möchte, schon aus Überzeugung im Kino oder auf DVD anschauen.

 

Update: movie2k.to unter movie2k.tl wieder erreichbar

Nachdem wir vor einigen Wochen vom mysteriösen Verschwinden von movie2k berichteten, scheint die Streamingseite nun wieder da zu sein: Wie chip.de berichtet, ist die Seite unter movie2k.tl wieder online. Die Betreiber warnen auf ihrer neuen Seite vor Nachahmerseiten, da z.B. movie4k.to Malware verbreiten würde.

Laut ihrer Aussage sei movie2k.to Ende Mai gehackt worden, der Serveradministator habe dann aus Furcht die Server lahmgelegt, eine Sicherheitskopie des beliebten Streamingportals gab es offenbar nicht. Die Macher seien also gezwungen worden, die Seite komplett neu aufzubauen, laut eigener Aussage inklusive verbessertem Skript.

Offensichtlich scheint also nicht nur ein Kleinkrieg der GVU und Justiz gegen solche Streamingseiten im Gange zu sein, sondern auch ein schmutziger Wettbewerb unter den Portalen.

 

Über 

One Response to movie2k.to ist tot – es lebe movie4k.to? – Ein Kommentar (Update)

  1. […] und einige Seiten benutzen zusätzliche Plugins, die man sich installieren muss. Die Gefahr, sich Malware einzufangen ist je nach Seite also durchaus […]

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