Mallorca – historische Prägung

Die Kargheit vieler Böden und die im Mittelmeerklima typischerweise immer wieder ausbleibenden Niederschläge führten zu häufigen Krisen in der Selbstversorgung der Insel. In der fortgeschrittenen Neuzeit versuchte man, diesen Krisen durch Anleihen von außen Herr zu werden. Sie wurden meistens durch die Hilfe katalanischer Kaufleute und durch den Export von Olivenöl aufgenommen. Auf diese Weise hatten sich bis zum 16. Jahrhundert auf Mallorca all die Elemente zusammengefügt, welche die Raumordnung und das Erscheinungsbild der Insel bis weit in das 20. Jahrhundert hinein prägen würden. Der Küstenraum spielte dabei kaum eine Rolle, war an nur sehr wenigen Stellen (z.B. Palma, Sóller) besiedelt oder entwickelt. Mit der Eingliederung Mallorcas in die bourbonische Monarchie Spaniens 1715 ging seine politische Eigenständigkeit verloren. Gleichzeitig aber wurde Palma zur Hauptstadt der gesamten Balearen und zum Geld- und Machtzentrum. Seiner Zugehörigkeit zur spanischen Krone verdankte Mallorca nun auch die Möglichkeit, am Handel mit dem amerikanischen Kontinent teilzuhaben. Mallorca trat in die Moderne ein. Die Öffnung der neuen Märkte führte zu tiefgreifenden Veränderungen der ländlichen Region im zentralen Teil der Insel. Die Landwirtschaft richtete sich nun nicht mehr überwiegend auf die Eigenversorgung aus, sondern orientierte sich mit dem Anbau von Mandeln, Aprikosen, Johannesbrotbaum und Wein zunehmend auch am Export. Mit den dabei erwirtschafteten Geldmitteln ging eine zweite Modernisierungswelle über die Insel und die Urlaubsorte auf Mallorca. Aus den bescheidenen, in Zünften organisierten und auf den Inselbedarf spezialisierten Handwerksbetrieben gingen in den Dörfern im Inneren markt- und exportorientierte Textil-, Leder- und Schuhfabriken hervor, zum Beispiel Inca, Llucmajor. Die Weltwirtschaftsstrukturen befanden sich im 19. Jh. mit der industriellen Revolution und dem entstehenden Kapitalismus in einer tiefgreifenden Erneuerung. In dem Jahr (1837), in dem der Inselraum seine Isolation durch die Aufnahme des ersten Linienschiffverkehrs zwischen Palma und Spanien aufgab, wurde Mallorca unwiderruflich Teil von Internationalisierungsprozessen.

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