Bremsbeläge – Materialkonzepte und Alltagsbelastung

Die Menge an unterschiedlichen Bremsbelägen je Fahrzeugmodell ist kaum noch zu überschauen. Auf diese Weise bieten etliche Erzeuger nahezu für jedes Kfz, für jeden Fahrstil sowie jeden Einsatzzweck Bremsbeläge an. Im nachfolgenden Artikel soll dargestellt werden, welche Materialkonzepte den hohen Anforderungen an Reibbeläge standhalten sowie in welchen Autos sie zur Verwendung kommen.

Bekanntlich sollten Bremsbeläge recht verschiedene Eigenschaften erfüllen. Neben Forderungen hinsichtlich des Bremskomforts, Bremseigenschaften sowie physikalisch-technische Eigenschaften wie Abnutzung, Bremsstaubentwicklung und Korrosionsverhalten, steht natürlich die Sicherheit stets im Vordergrund.

Deswegen findet man in modernen Personenkraftwagen Semimetallische Bremsbeläge, Low Steel- bzw. Low Metallic-Beläge, Sintermetall-Bremsbeläge, Non Asbestos Organics- bzw. Organic-Bremsbeläge, Hybrid-Beläge sowie Keramik-Bremsbeläge. Leistungsfähigkeit, Komfort, Nutzungsdauer, Bremsstaub-Entwicklung, Leistungsbereich, Temperaturstabilität, Reibwert, Dosierbarkeit, Ansprechverhalten und so weiter sind wichtige Kriterien bzw. bestimmte Eigenschaften, die dem gewissen Materialkonzept beziehungsweise einer Reibmaterialfamilie zugeordnet werden.

Muß es diese Vielfalt geben?

Unzählige Autofahrer befragen uns ständig wieder, ob diese – für den Laien durchaus schwer verständliche – Vielfältigkeit denn sein muß. An dieser Stelle eine eindeutige Erwiderung: Ja, die Vielfalt muss sein, weil Bremsbeläge sind eigens auf den jeweiligen Markt, den Einsatzzweck, das Auto, die Funktion und sogar auf den individuellen Fahrstil abgestimmt. Folgende Paradebeispiele sollen das aufzeigen:

Einsatzort: In Ländern mit Tempolimit wie z. B. den USA kommen des Öfteren Bremsbeläge zum Einsatz, die aufgrund ihres niedrigen Reibwerts enorme Nutzungsdauer mit einem immensen Komfortniveau verbinden. Weil jene Beläge bei immensen Fahrzeuggeschwindigkeiten und/oder hohem Fahrzeuggewicht extrem schnell verschleißen, eignen diese sich auf keinen Fall für Märkte ohne Geschwindigkeitsbegrenzung wie zum Beispiel Deutschland. Ein weiteres Kriterium für einen Einsatz eines Bremsbelags ist gewiss, in welcher Klimazone das Kfz verwendet werden soll.

Einsatzzweck: Gemäß dem verschiedenartigen Gebrauch des Bremsbelages, ob nun im normalen Autoverkehr oder bei anspruchsvoller Nutzung, richtet sich letztlich die Wahl des exakten Bremsbelags. Ist Anhängerbetrieb beabsichtigt, eine Urlaubsfahrt mit vollbeladenem Wagen oder gar ein Besuch auf dem Nürburgring? Den günstigen Belag gezielt zu finden, ist kein Problem. So ganz beiläufig: Die präzise Abstimmung des Bremsbelags auf die jeweilige Rennstrecke (Bergrennen, Grandprix-Kurs, Langstrecke) ist eine Wissenschaft für sich, auf die an dieser Stelle keinesfalls genauer eingegangen werden soll.

Auto: Logischerweise müssen die Belageigenschaften in Verbindung zum Fahrzeug, damit zu seiner Bremsanlage sowie Motorleistung stehen. Genauer gesagt: Es gibt einen deutlichen Gegensatz von den Erfordernissen an Bremsbeläge zwischen einem schweren und rasanten Fahrzeug, wie zum Beispiel einem BMW X5 und einem Fiat 500. Hinzu kommt, dass mitnichten allein die Fahrzeuge vielfältig konzeptioniert sind, sondern nicht zuletzt die Fahrzeugführer beziehungsweise Eigentümer dieser Fahrzeuge sonstige Prioritäten bei der Fahrzeugbremse setzen.

Funktion: Was will ich und was muss meine Bremse können? – Diese Frage sollte sich jeder Autofahrer stellen, weil für jeden Fahrer gelten andere Maßstäbe. Wir fragen deshalb unsere Kunden gezielt, ob Ihnen eine herausstechende Optik, eine geringe Bremsstaub-Entwicklung, die reduzierte Geräusch-Emission (Quietschen), ein unveränderliches Pedalgefühl bzw. ein definiertes Ansprechverhalten mit einer linearen Reibwertentwicklung bedeutsam ist. Erheblich dabei: Es müssen vom Kunden Schwerpunkte gesetzt werden, denn ein Bremsbelag, welcher sämtliche Eigenschaften in sich vereint, den gibt es keinesfalls.

Fahrstil: In erster Linie bestimmt Ihr individueller Fahrstil die Auswahl des korrekten Bremsbelages.
Fahren Sie eigentlich defensiv und belasten die Bremse dabei nur schwach? Sind Sie Berufspendler sowie fahren Sie viel im Stop-and-Go-Verkehr? Fahren Sie lange Strecken auf der Autobahn und betätigen Sie die Bremse hierbei relativ kaum? Fahren Sie viel bei Nässe oder Schnee und liegt Ihnen eine gute Dosierbarkeit der Bremse am Herzen? Oder fahren Sie gern sportlich schnell bis aggressiv – am Wochenende vielleicht auch auf der Rennpiste?

Zertifiziert nach Richtlinie ECE-R90

Bremsbeläge: Bei der Materialvielfalt neuartiger Bremsbeläge sollte selbstverständlich Eines im Vorfeld klargestellt werden: Bremsbeläge aus krebserregendem Asbest bzw. mit Asbestanteil gibt es bereits seit langem nicht mehr – der einst so gefürchtete Bremsstaub hat deswegen seine Gefährlichkeit für die menschliche Lunge verloren.

Im Grunde gilt: Die auf die Trägerplatte aufgebrachte Belagmasse des Bremsbelags wird aus verschiedenen Bestandteilen gemischt, so aus Bindeharz, Fasern, Metallpartikeln, Schmiermittel und Volumen-Füllstoffen.

Folglich werden international verschiedene Materialkonzepte besser gesagt Reibmaterialfamilien unterschieden, wobei die Zusammenstellung der einzelnen Mischungen ein streng gehütetes Geheimnis der entsprechenden Unternehmen ist.

Grundsätzlich gilt, dass Bremsbeläge als auch alle anderen Bremskomponenten getreu der Richtlinie ECE-R90 zertifiziert sein sollten. Maximal +/-15 Prozent von der Leistung der Originalbeläge können Nicht-Originalteile im Sinne der Norm differieren.

Damit wird gewährleistet, dass nachgerüstete Bremsbeläge eine konstant bleibende Qualität aufweisen. Die Richtlinie ECE-R90 ist Teil der Verordnung 98/12/EG über Bremsanlagen, die per 1. Januar 1999 in Kraft getreten ist und seit dem 1. April 2001 innerhalb der Europäische Union verbindlich gilt.

Wie man sieht, steckt hinter einem Bremsbelag jede Menge Know-how – da ist es auf keinen Fall leicht, als Autofahrer den Durchblick zu behalten. Ehe sie sich zum Kauf von Bremsbelägen entscheiden, sollten sie auf alle Fälle prima Fachleute zu Rate ziehen. Das sind auf keinen Fall zwangsläufig die Werkstätten, die jeweilig nur auf ausgewählte Hersteller eingeschworen sind.

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